Karo/Bremen  23. Dezember 2008

Hallo Leute, für alle die's Interessiert, hier mein bescheidenes Resümee zum ersten Gig mit Lack of Limits! Ich weiss nicht, wie viele von denen die da waren, diesen Bericht lesen, und ich weiss auch nicht, wie viele davon meiner Meinung seien werden. Aber wenn Ihr was zu meckern habt, schreibt ins Gästebuch und flucht rum, damit da mal was passiert! Ich könnte versuchen, extra falsch zu berichten, um die Polarisierung voranzutreiben, aber der Abend war - für mich - ohnehin eher überdimensional in mancherlei Hinsicht! Ich knüpfe mein Resümee an einige Appelle:

- Kauft alle Sachen von Lack of Limits
- Esst die Baguettes im Caro in Bremen
- Schaut uns nicht so genau auf Die Finger
- Preist Eve an der Geige!
- Nehmt Navigationsgerät/Eingeborene/Campingausrüstung mit, wenn Ihr das Caro in Bremen sucht (!)

Einen Club vermutet man in stillgelegten Industriegegenden, leerstehenden Bankgebäuden oder sonstwie nah bei Mc Donald's, aber sicherlich nicht mitten im Wohngebiet jenseits jeden erkennbaren Milieus! Ebensowenig erwartet kaum jemand ein elektronisches Drumset auf einem Folk Rock Konzert.

(Dazu - liebe Leut - darf ich Euch sagen. Ich habe dem Marc jetzt einige Male auf die behenden Finger schauen dürfen, und ich darf behaupten, dass von einem mittelgrossen Club nicht viel übrigbleibt, wenn der grosse Kessel für perkussive Argumente bekommt. Kommt alle zum Schlachthof, da werden echte Felle gegerbt!)

Ich hatte ein Mikrofon vor der Nase. Hab es weit weniger genutzt als vorgesehen, war sehr auf mein Holz konzentriert bei teilweise eben diesem Material hinter der Stirn, und wenn ich das vorzügliche Baguette bereut hätte, dann nur in den Momenten, in denen ich mir gewünscht hätte, etwa 45 Zentimeter dünner zu sein, um hinter dem Stativ nicht gesehen zu werden!

Blabla ist das schon wieder hier. In meiner Funktion als Bassist kann ich sagen, dass es Spass macht, diese Songs zu spielen, ein tanzwütiges Publikum zu sehen, ebenso wie die suchenden Blicke von Christian, wenn er den Dur Akkord nicht an der Stelle kriegt, wo er ihn braucht. Ich freue mich auf mehr! In jeder Tonart!!

Übrigens wollte Eve hinterher partout nicht zu Mc Donald's, das bricht mit grossen Traditionen!

Bald,

Uwe (und jetzt kommt meckern!)
Creole Festival   28. Januar 2009

Mal wieder im Schlachthof. Sicherlich sind hier schon einige Leute einige Male auf der einen oder anderen Seite der Bühne gewesen. Ich kenne das Veranstaltungszentrum noch von seinen legendären Drum'n'Bass Abenden, die - wahrscheinlich nach dem Anblick der tanzenden Massen von den oberen Rängen aus - Kesseltreiben genannt wurden. Wirklich ein Kessel; hoch, kreisrund, schweißtriefend und alt! Die Ventilatoren an der fernen Decke tun einen aussichtslosen Job, für gute Luft zu sorgen. Ob das, was sich an Gasförmigem da oben staut, wirklich im ganzem Saal verteilt werden muss, frage ich mich jedesmal. Nein, heute wars kein Miasma Konzert. Dieses Mal hatte ich keine metallbewehrten schwarzen Stretchhosen an. Ich kam am Mittag. Samstag. Ein Tag Creole war schon gelaufen. Die Stimmung lag noch in Luft und Anblick der Beteiligten. Auf der Bühne wurde gebastelt und bald hallten die galeerengleichen Schläge vom Schlagzeug durch den leeren, neonbeleuchteten Kessel. Jeder, der dieses Ritual mehr als einmal erlebt hat, macht sich auf die Suche nach Überlebensmitteln für einen langen Tag mit wenig anderen Aufgaben, als die eigene Existens zu sichern, und sich derer, aller anderen zu versichern. Also Nahrung suchen. Der erste Kaffee ist schnell gefunden, man meint es gut mit uns. Aus dem Backstage quillen Früchte, Getränke und ein paar Flaschen Wein (!).Menschen häufen sich an samt Instrumenten. Teilweise deuten große Reisetaschen darauf hin, dass hier nicht jeder mit dem Regionalexpress für 7,10€ hergekommen ist. Klassenfahrtsambiente. Catering ab 6. Primäre Beschäftigung fällt damit weg, die Weintrauben verlieren bald ihren Reiz. Fotos. Interview für Radio Flora in Hannover. Schön. Ich überspringe hier gefühlte zwanzig Stunden, einen langen Spaziergang und sieben Kaffee.

Voll der Laden. Wieder brodelt der Kessel, gedämpft in Menschengewirr, auf der Suche nach Theke, Sitzplatz, und nach einander. Das grelle Neonlicht ist dem leicht feierlichen, schummrigen Halblicht gewichen, das die groben Backsteinwände wie ferne Burgmauern erscheinen lässt und die Techniker in die Leuchtdioden und Displays ihres Digitalmischpultes versunken wie Druiden über einem magischen Ritual.

Die Band ist verteilt. Ich sehe Christian zwischendurch mit leuchtenden Augen auf den Rängen, Eve fletzt sich halbplatt auf einem Sofa und Marc - der ist irgendwann auf einmal wieder da. ... Ob er wirklich menschlich ist?

Wir sind die letzte Band heute. Leider. Die Anspannung färbt doch ziemlich stark das Erleben der anderen Gruppen. Trotzdem sind es die Darbuka, die mongolischen Mönchsgesänge, Akkordeon, Violinen, jiddisch, türkisch, finnisch, griechisch, irisch, jamaikanisch, die den alten Kessel durchrühren. Das ein ums andere Mal stark gerührt warteten wir dann - um halb zwölf - auf unsere Partie.

So gut wie die Aussicht von nahezu jedem Platz aus auf die Bühne ist, so gnadenlos vollständig stellt sich der gefüllte Raum von der Bühne aus dar. Liebe Leute, auch wenn das so aussieht, als ob die Band ins Publikum schaut - man sieht wirklich rein dar nichts! Ich war allein schon mit den Strecken überfordert, die zwischen mir und meinen Mitmusikern lagen. Will nicht rumlamentieren - es war schön, sehr sehr schön. Schön auch hinterher das Feiern, irgendwer hat dann auch gewonnen - stimmt - war ja ein Wettbewerb eigentlich, lange gesessen, Telefonnummern, nochn Kaffee, nochn Sekt, um drei noch Oldenburg.

Ein besonderer Abend mal wieder mit Lack of Limits. Schöne Grüße an alle, die da waren, alles möglich gemacht haben, toll aussahen. Glückwunsch nochmal an Safkan und Skalinka. Alle Bands waren stark! Ich bin jetzt Fan von Seda aus Hannover. Seht Euch alles von denen an, kauft alles und lernt mongolischen Untertongesang!

Ach ja, Danke an Christoph Dolf, der meinen Fretless Bass gebaut hat. Der ist wirklich für große Bühnen gemacht!

Alles Esche.

Uwe
Litfaß Oldenburg am 8. März 09

Wenn ich so meine Berichte nach einem Konzert schreibe, ist es immer schwer bei einer Richtung zu bleiben; Was ist das Interessanteste an so einem Abend? Das sieht ja jeder anders.

Zum Beispiel das Catering: Eine vegane Gemüsepfanne mit gebackenen Kartoffelspalten, zu der geschätzt viertelpfündige Bulletten gereicht werden sind sicherlich ebenso erwähnenswert, wie das "Big Lebowski" Shirt eines Servicemitarbeiters, das meine Getränkewahl für den Rest des Abends besiegelt und sämtliche Milchvorräte im Lager vernichtet hatte.

Sicherlich auch interessant, dass die Equalizer-Speicheroption an Benedikts Yamaha Bassamp gute Dienste geleistet hat, und dass Improvisationen in Dorisch durchaus mit Vorsicht zu genießen sind, ebenso wie Akkord- und Oktavbegleitungen, die als Steigerung schnell wuchtig werden.

Mir selber wäre es wichtig, die lieben Kollegen von Skalinka zu erwähnen, die, wenn auch leider nicht auf der Bühne, so doch auch davor und nicht nur zu Off-Beats eine gute Figur gemacht haben. Überhaupt war Tanzen die prägende Ausdrucksform des Abends für Jung und Alt, sehr zu geniessen und - auf dieser Bühne - nicht zur Nachahmung empfohlen, erst recht nicht mit klobigen Saiteninstrumenten in der Hand.

Ausserdem bin ich sicher nicht der einzige, der sich jedesmal über die Mütze wundert, die Eve mit an ein religiöses Ritual anmutender Besinnlichkeit zu "as I ringled out" auf den Kopf setzt, bevor sie zu Ihrer einzigartigen Jodeldiplom Animataion ansetzt.

Sachlich gesehen handelte es sich in diesem Falle um den Live Auftritt der Band Lack of Limits im Litfaß, Oldenburg. Ein etwa dreistündiger Gig, vierköpfig mit Pascal Hase als Gast, ein Set von etwa zwanzig Stücken inklusive Zugaben. Besucherzahlen, Eintrittskasse und Zahlen zu Materialermüdung liegen zum Redaktionsschluss nicht vor.

Weniger nüchtern könnte ich auch einen Dankesbericht schreiben; Danke, dass alle so unheimlich gut getanzt haben auch zu Funk (!), danke, dass Bassisten live wieder slappen dürfen und für White Russian, danke für die Zigarette danach im Schankraum, danke für ein geiles Publikum, für einen weiteren besonderen Abend. Wenn ihr echte Musikliebhaber seid, quetscht Ihr Euch sicher mit uns am 4.4. in Bremerhaven in den kleinen Club, bis wir nicht mal mehr mit den Armen wedeln können! Erst dann ist es Pub Stimmung!

Take a Jump!

Uwe (bittet um Feedbck und Empörung zu diesem Bericht)
Muckefuck Bremerhaven

...in Bremerhaven, im Muckefuck, oder auch: Mein Bass verstimmt sich an Deiner Schulter, kannst Du bitte das Akkordeon bei wem anders auf die Füße stellen?

Bremen hat zwei Teile, genau wie unser Set oder das Muckefuck in Bremerhaven. Letzteres sogar in zweierlei Hinsicht; Nicht nur, dass der Durchbruch zum Nachbarhaus Winkel und verborgene Gänge entdecken lassen, die jedem Live Rollenspieler die Tränen in die Augen schiessen lassen - nein! - Der renomierte Club in der Bürgermeister Schmidt Strasse im Herzen des wilden Kiez blickt auf eine Tradition zurück, so stolz, dass selbst das offensichtlich unerschrockene Team es nicht gewagt hat, den Namen des Vorgängers weiterzuführen! Das "Wally's" erlebte vor zwanzig Jahren ein ruhmreiches Ende in Transparenten und Menschenaufläufen, Bilder, die zum Träumen einladen, und auf denen nur noch der Schar von Persien fehlt!

Ton, Steine und Scherben! Haben hier glaube ich nicht gespielt, ist aber überall zu sehen; die dungeonartige Sanitärnlage hat bereits einen wichtigen Umbauschritt hinter sich: den Abriss! Am Eingang steht eine alte akustische Gitarre, die aussieht, als wäre dieser Arbeitsschritt mit ihrer Hilfe vollbracht worden. Thema hier also der stetige Wandel, überall zu sehen. Da passen wir rein, sage ich, denn wenn wir inzwischen auch so manche Übungsstunde bewältigt haben, sind wir bei dem bewährten Bandnamen doch eine - ich sag mal - frische Besetzung. Nicht ganz so frisch wollte unser Equipment schon beim Soudcheck immer wieder rumzicken, und wir hätten in Erwägung ziehen können, Teile des Instrumentariums dem Schutthaufen in den Latrinen hinzuzufügen. Aber dank Erfahrung, Geduld und der großartigen Leistung unseres Kabelregisseurs Benedikt freuen wir uns nun auf viele weitere, heitere Gigs mit knopflosen Akkordeonen, launischen Schlagzeugpads und dreiundzwanzig Mal gelöteten Strippen.

Unter dem strengen Blick von Herrn Kilmister und dem Gewicht diverser italienischer Delikatessen, zupften und verkloppten wir alles, was dem Soundcheck unter leichtem Atem noch standgehalten hatte. Personen kamen nicht zu Schaden. Geköpft wurden nur Flaschen und in der Gegend rumfliegende Trommelstöcker! Die Katastrophe war also vorprogrammiert, und zum Glück stürzte das Programm ab! War also schön und - trotz Weltraumschlagzeug - ein bisschen laut und zuweilen überaus attraktiv betanzt. Was soll ich sagen? Ich bin der Neue.

Hier sollte man hinkommen! Jenseits der Weser hinter Tunneln und Deichen, da, wo drei freie Monatsmieten neue Bewohner anlocken, gibt es einen Haufen von Mauern und Dächern, die gerne mal wackeln! Egal unter welchem Namen. Danke an alle. Wir würden für Euch Transparente malen!

Uwe

Die Axt im Walde - Lack of Limits in grobem Tuch und derben Zoten

Endlich, endlich der Bericht von der Nordmannen Convention mit Lack of Limits. Was wir da zu suchen hatten? Wir haben gelernt. Lasst Euch berichten.

Ich mag Äxte! Haben so was Martialisches! Dabei sind sie ursprünglich reine Nutzwerkzeuge gewesen. Irgendwann wurde dann sinnvoller Weise der Krieg erfunden, wahrscheinlich, weil alle Wälder abgeholzt oder unter Eis begraben waren, jedenfalls brauchte die Axt neue Kerben, die sie schlagen konnte. Die Axt verwandelte sich vom Werkzeu allmählich zu einem eindrucksvollen Beispiel meisterhafter Schmiedearbeit, reich verziert, gehärtet und zigfach geschärft. Mit so einer Arbeit braucht der junge Mann nicht wählerisch mit dem abzuholzenden Objekt zu sein - Spass macht es allemal. Die Jahrhunderte vergingen und Kriege sind out inzwischen. Gibt ja hierzulande keine mehr. Das ist gesund. Aber auch langweilig. Manchmal jedenfalls. Da werden wir alle gerne mal romantisch, wenn wir an König Artus denken, an hohe Turmzimmer mit Prinzessinen drin, an den edlen Ritter mit dem Drachenkopf lässig um den Harnisch geworfen...

Und so begab es sich zu der Zeit, dass eine Gruppe junger Barden gerufen wurde, ein gar legendäres Fest zu bespielen. Waren es der Barden nur drei, so waren sie doch nicht minder gewillt, ihre Klänge unter das Volk der Nordmannen zu streuen, das es seine Art hat. Mit eisernem Willen, hölzernem Spielwerk und einer Zauberkiste des Meisters Marshall fanden sich die Gefährten bald in einer Herberge inmitten des unwirtlichen, nur schwerlich urbar gamachten Marschlandes nahe Bederkesa wieder.

Hier gilt es, Klänge zu bemühen, die sich in die metschwangere Tavernenstimmung einschmeicheln und die Wildschweine vom Lagerfeuer fernhalten, solange die sich nicht grillen lassen wollen. Grillen zirpen nachts gegen die gellenden Schreie aus den Wäldern, als Gut und Böse und alles dazwischen voreinander wegläuft und über friedliche Flora und überaus humorlos seinen Nachwuchs schützende Fauna stolpert. Grillen tun die Echsenmenschen und Orks dann aber erst richtig am nächsten Tag, bei beeindruckender aber schmelzender Maskerade und gefühlten 40°. Wir im Schatten. Nachdem wir die mystische Frage zu unseren Gunsten geklärt haben, ob ein Stück Holz ohne Loch über einen Zauberkasten Lärm machen darf oder nicht, spielen wir denn doch am zweiten Tag in der Sonne beim Schnitzel rein akkustisch.

Ich könnte noch so viel schreiben, von süßen Elfenmädchen mit zum Erröten versauten Liedchen, einer heisergekreischten Königin, und dass so manche beeindruckende Verkleidung inklusive schwerer Bewaffnung nicht zum Barbecue taugen.

Habe mir vorgenommen, am Ende meiner kryptischen Berichte ein klares Statement abzugeben. Also bitte: Es war toll, echt! Geht auf Cons, verklebt Euch mit Honigwein aneinander und trefft uns da, wir haben nämlich Blut geleckt in vielen Farben.

Und jetzt alle:

Bei Koris und Livia!!!

Waldfrieden und veganes Essen – ein seliger Essay

Wir erreichen den beschaulichen Ort Wehdem nach einem kurzweiligen Schlenker über ungefähr Peine. Als mich vor ein paar Jahren in Frankreich überall die Schilder „toutes directions“ sehr amüsiert hatten, war mir nicht klar gewesen, dass man hierzulande mit einer solchen Absurdität nicht so allgemein bleibt; Eine Kreuzung nach langer Fahrt zeigt Eve und mir in allen drei Richtungen „Stemwede“ an, unseren ruhmreichen wie einsamen Zielort (ein Schild in die vierte Richtung hätte mich nicht mehr gewundert). Unmittelbar fiel mir dieser Film ein, in dem sie in einer multidimensionalen Parallelwelt aus immergleichen Räumen zusammen mit anderen langsam wahnsinnig wird. Schweren Herzens entscheiden wir zwei routinierten Orientierungshasen uns für den Mittelweg, wie auch sonst, beide über dreissig im Passat, ich den Spiegel in der Hand verlese Rezensionen über MJ's neuesten Bildband. Soweit die Mehrdeutigkeit. Der Regen ist eindeutig, vor allem, weil der Scheibenwischer - ein gutgemeintes und völlig nutzloses Accessoire - vergnügt mit den Wassermassen auf der Windschutzscheibe Kriegen spielt. Noch eindeutiger, steigen wir aus in einer trotz wolkenverhangenem Grau wandfarbenleuchtender Kulisse, die das beste verbindet aus Goldgräberstadt, Freizeitpark und Detlev Buck Film. Stellt Euch einfach den Titty Twister aus dem Tarantino Film vor, nur in Norddeutschland und ohne schweinisches Gekreische am Eingang. Auch erweisen die Eingeborenen im Laufe des FilmsähAbends weniger als Blutsauger denn vielmehr als feinste Gourmets veganer Küche. Dazu später mehr! Wir vertreiben uns die Zeit mit Überlegungen zu bedingt jugendfreien Wandmalereien und was denn wo stattgefunden hätte, wenn nur der ß#*^°-Regen nicht...

Der Soundcheck zieht sich. Soll ja was bei rauskommen. Skalinka dinieren schon die in Duftschwaden - unseren eewigen Soudcheck zur schieren Quälerei wandelnden - durch die Location schwebenden offensichtlichen Leckereien. Mein Futterneid meldet sich. „Ja, is ja gut, klingt doch, wolln wir mal essen!?! Nee, gut, spielen wir die Nummer noch mal. Ham die auch sicher viel gekocht? Sicher? Doch doch, ich hör die Geige! Echt! Falafel, ja?“

Vielleicht kennt Ihr das von Familienfesten; Wenn die Omma erstmal mit dem fettertränkten falschen Hasen an den Tisch kommt, und man denkt, das wars, jetzt kapituliert der massivhölzerne Tisch, der schon zwei Weltkriege überstanden hat unter der Last der Völlerei einer „wir hatten ja nichts damals“ Generation. Kennt Ihr? Und immer ist es zu viel – Immer! Die vermeintliche Lösung liegt auf der Hand; nix essen, den ganzen Tag. Was das mit dem Lack of Limits Gig zu tun hat? Gar nichts! Ausser dass ich eben diese Strategie heute gefahren hatte, so gut wie nix im Bauch ausser diversen frischgeernteten Kirschen und grob zehn Tassen Kaffee. So stürzte ich mich auf das exklusive, exquisite, extraüppige, fleischlose, milch- und eierlose, ägyptisch orientierte Catering, weiß nicht mehr genau, kann sein, dass ich zwischendurch Teile des veganen Sojamilch-Knoblauch Dressings inhaliert hatte. Aber es schmeckte uns allen. Ich erinnere mich, wie Pascal mich in ein Gespräch verwickeln wollte, aber ich war nicht gewillt, wertvolle Kauzeit zu verlieren. Etwa zwei Kichererbsenfladen gleichzeitig im Mund wäre jeder verbale Ausdruck meiner Wertschätzung nicht nur unmöglich sondern auch überflüssig gewesen, als der Koch uns fragte, ob uns das Essen gefällt. Aus Etikettegründen, versuchte ich auch etwas von den in meinen Augen völlig profanen Beilagen zu nehmen. Eve sammelte in aller Eile einen Teller für Christian zusammen, damit er noch was abbekommen könnte. Ich wollte mir noch merken, wo sie ihn hinstellte, als ein anderes Gefühl sich meldete, ein gefühltes Äquivalent zu einem knackenden, massivhölzernen Tischbein; Satt. Richtig Satt!

Pascal versuchte mich in ein Gespräch zu verwickeln, aber ich konnte nicht reden. Wir redeten alle nicht viel. Zufriedenheit. Primäre, sekundäre und weitere Bedürfnisse waren befriedigt, die Polster der ausgesessenen Wohnzimmergarnituren aus fünf Generationen bequem. Wozu noch spielen? Geld verdienen? Sex haben? Dies war Nirvana! War es etwa das, was die Wandmalereien mit ihren angefressenen Fliegenpilzen und schlangenlinien fliegenden Bienchen ausdrücken wollten? Die Stones hätten niemals ein Hotelzimmer demoliert, wenn der Cateringchef Ägypter gewesen wäre. Ich schämte mich ob meiner Vorurteile, nahm noch eine Falaffel und schleppte mich zur Theke, um das einzige denkbare Heilmittel zu bestellen: Kaffee! Da standen wir, zur wandmalereienabgewandten Seite erstreckten sich saftig grüne Felder, liebevoll umrahmt von Sitzecken, Umzäunungen, Obstbäumen und Wäldern, schraffiert von sanftem Regen. Ja, viel Liebe hier. Heute hatte Andre Geburtstag, ich weiß es, denn wir hatten einen Song extra dafür vorbereitet. Ich bin der Neue. Ich tue, was mir gesagt wird.

Drinnen hört man die Skalinkas langsam ihren gewaltigen Soundapparat zusammen fahren, scheinheilig langsam erstmal Klavier und Stimme – die Schlingel! Irgendwer hatte drinnen in die Zuckerstreuer Salz gestreut. Verdammte Pilze!

Ich gehe tanzen, so ne Bläsersection kriegt man nicht alle Tage um die Ohren geklatscht. Ja, ich merke das Essen, aber egal, wenn die Timbales ihre Rimshots knallen. Pascal dabei, Eve auch. Alles tanzt, schicke Frauen, Arme, Beine, Falaffel im Bauch. Der Kaffee wird kalt.

Nächste Band – ach ja, das sind wir – eine stolze Playlist, da kommt was. Hemd ausziehen, Bewegen, Licht an, schöne Menschen vor der Bühne, Geburtstagsständchen, wird warm. Eve hört sich nicht! Wahrscheinlich zu kurzer Soundcheck.

- hier bitte die Erinnerung an einen Lack of Limits Gig einsetzen, oder glaubt Ihr, ich beweihräuchere jetzt unseren eigenen Auftritt!?! Erinnert Euch oder kommt vorbei, nicht reden, tanzen -

Drowsy Maggie ist ein Reel. So was wie ein Standard im Jazz oder brauner Zucker im Caipirinha. Ich höre ihn verhallt wie durch mehrere geflieste Wände. Leider ist kein Cachaça der Grund für diese verzerrte Wahrnehmung, die Wahrnehmung entspricht der Situation. Leider ist kein Cachaça der Grund dafür, dass ich während unseres Gigs über dem Klo hänge, und denke, die Leute vor meiner Tür sollen gefälligst aufhören zu lachen und tanzen gehen! Bilder schossen mir durch den Kopf, meine Omma fragt „Schmeckt's Dir nicht?!“

Veganer werden unterschätzt! Dieses Essen ist für uns Normalsterbliche nicht so ohne weiteres zu vertragen. Noch ein Indiz dafür, dass unser Marc nicht vorbehaltlos humanoid ist! Deswegen hat der auch noch keine Bio auf die Homepage gesetzt. Das alles denke ich nicht in dem Moment. Nach dem Gig bin ich nachdenklich, medizinisch nüchtern mit einem Kamillentee in der Hand.

Christian lacht, als ich ihm erzähle, warum Lack of Limits heute die erste Halbstundenversion von Drowsy Maggie ohne Bass absolviert haben, sieht aber selber ein wenig blass aus. Ein paar Jungs wollen los, ich flüchte mit ihnen aus diesem gefallenen Nirvana, an Bord das neue Album von Selig und ein Navi, ich bin beruhigt, auch als wir in die düstersten Feldwege abbiegen, kümmere mich nicht um ambivalente Verkehrsschilder. „Aber noch eben bei Mekkes vorbei“, heißt es, und ich denke mir Ihr habt die Moral aus diesem Abend nicht verstanden. Und bei den Schlaglöchern, bitte ganz langsam!“

Ich hoffe, ich habe die Essenzen aus diesem Abend repräsentativ und nicht zu subjektiv oder verzerrt wiedergegeben, das läge mir fern. Wenns Euch nicht passt, kommt zum nächsten LoL Gig vorbei, dann versuche ichs mit Caipirinha!

Mein Schlusssatz heute von Herrn Plewka: Auf dem Weg zur Ruhe die Nerven bewahren. Ein großer Mann!

Uwe